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Science

Neuroscience: Wirkung von Drops ähnlich wie Suchtmittel

The Mainhattan Scientist | December 22, 2018

Eines der zentralen und wirksamsten Elemente (Hooks) in der Komposition und in der Live-Performance eines EDM-Songs ist der sogenannte Drop. Es ist jener Teil eines Musikstücks, der durch die (üblicher Weise 4 bis 32 Bars lange und basschwache bzw. -lose) Build-Up-Phase angekündigt wird und anschließend – wieder basshaltig – den Fortgang des Tracks einläutet. Unzertrennlich mit der Build-Up-Phase des Stücks verflochten, bildet der Drop die dopamingeladene Zäsur eines dropträchtigen EDM-Tracks.

WIE EIN KLEINER ORGASMUS

„Dopamingeladen“ sollte es recht gut treffen, denn der nachfolgende Entladungsvorgang, der sich auf dem Dancefloor abspielt, ist – unter dem Treatment eines fähigen DJs und sofern die Crowd auf der Welle mitschwimmt – meist genauso ekstatisch-eindrucksvoll wie vorhersehbar. Letzteres hat den Grund, dass der Drop meist recht einfach kalkuliert ist, denn in aller Mainstream-Regel wird er eben durch den Build-Up angekündigt. Die Kalkulierbarkeit des Drops tut seiner Wirkung aber keinen Abbruch – ganz im Gegenteil.

Befragt man das Publikum zum subjektiven Erleben der Kombination Build-Up und Drop, wird typischer Weise etwas bemerkt wie:

„Wenn es sich aufbaut und man weiß, gleich ist es so weit, gleich kommt er [der Drop], dann bekommt man richtig Gänsehaut, man wird ganz ungeduldig und man sehnt den Moment herbei. Und wenn er dann kommt, ist es wie ein kleiner Orgasmus“

Beschrieben wird also ein erwartungsvoller, energetischer Aufbau (Build-Up), der durch den Einsatz des Drops quasi in eine kathartische „Erlösung“ mündet. Wie mögen sich diese Phänomene begründen? Die Neurowissenschaft liefert dazu interessante Erkenntnisse.

BUILD-UP & DROP VS. SEX & KOKAIN

In einer PET- und fMRT-Studie des Jahres 2010 konnte die Neurowissenschaftlerin Valorie Salimpoor (McGill University, Montreal) zeigen, dass die Hirnaktivität – während Build-Up und Drop – in dopaminerg organisierten Abschnitten des ventralen Striatums – erhöht, und in denselben Gebieten auch erhöhte Dopamin-Freisetzung messbar ist. Anders ausgedrückt: Wenn das Gehirn den Drop antizipiert, sich sodann die Erwartung steigert und diese anschließend – endlich – erfüllt wird, belohnt das Gehirn, dass sich Erwartung und Erfahrung gedeckt haben.

„Wenn Sie die ersten paar Sekunden Ihres Lieblingssongs hören – gleich, ob im Auto oder im Club – stellt sich sofort dieses intensive Gefühl der Spannung ein, weil Sie wissen, dass gleich die beste Passage kommt“

Es handelt sich also um klassische Craving- und Belohnungseffekte, die hier unmittelbar über die Bildgebung objektiviert und damit sichtbar und funktionell nachvollziehbar gemacht worden sind – und die gleichermaßen auch in Zusammenhang mit Sex, stimulierenden Rauschmitteln oder gutem Essen auftreten.

KEIN DOPAMIN-RELEASE OHNE BUILD-UP

Bemerkenswert ist dabei, dass das Anhören des Drops allein – ohne Build-Up – relativ effektlos bleibt, wie Salimpoor ausführt:

„Angenommen, Sie würden den Refrain Ihres Lieblingssongs ausschneiden, inklusive der zehn Sekunden um diesen herum, und Sie würden sich diesen Teil isoliert anhören – dann würden Sie feststellen, dass dies ziemlich unbefriedigend ist. Weil der Build-Up fehlt, der die Erwartung ja erst aufbaut“

Build-Up und Drop, die Unzertrennlichen, sind also musikalische Wegbereiter, Erzeuger und Booster der EDM-Dopamin-Kurve. Einen der Gründe, weshalb dem Bass dabei so eine wichtige Rolle zukommt, haben wir in diesem Artikel hier ausgeführt.

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Written by The Mainhattan Scientist





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