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Science

Psychologie: Wie Bässe die Selbstwahrnehmung beeinflussen

The Mainhattan Scientist | December 20, 2018

Wer sich heute in den Bereich der neurowissenschaftlichen Musikforschung vorwagt, der wird das seit Jahrzehnten rege Forschungsinteresse an entsprechenden wissenschaftlichen Fragestellungen erkennen – angefangen bei Versuchen, „das im Wesentlichen Schöne“ an der Musik zu analysieren, bis hin zu modernen und aufwendigen Untersuchungsparadigmen mittels EEG, PET und fMRT und der Bestimmung von psychoendokrinologischen und molekularen Markern. Eine Übersichtsarbeit zum aktuellen Stand der Forschung ist hier zu finden.

Idee: Bass sagt empfundene Dominanz vorher

In einer Serie aus insgesamt fünf Untersuchungen ging ein Forscherteam um Dennis Y. Hsu (Northwestern University, Illinois) nun der Frage nach, inwiefern sich eine ganz bestimmte musikalische Komponente kausal auf das emotionale Erleben auswirken mag: Nämlich der Bass – also Tieftonfrequenzen im Bereich von 16 bis 150 Hz. Anlass hatte die Hypothese gegeben, dass bestimmte Songs – und eventuell solche mit erhöhtem Bassanteil – unser subjektives Empfinden von Dominanz und Macht (basierend jeweils auf der wahrgenommenen Fähigkeit zu abstraktem Denken und Entscheiden) beeinflussen.

„Macht“ wird dabei als soziostrukturelle Variable verstanden, die als solche unmittelbar in eine psychologische Wahrnehmung überführt wird. Wer Macht empfindet, hat eine höhere soziale Kontrollüberzeugung, performt besser bei abstrakten Denkaufgaben (etwa beim „Sehen des Großen Ganzen“) und verfügt über ein höheres exekutives Funktionsniveau (etwa erhöhter Konzentrationslevel). Auf Verhaltensebene korreliert das Empfinden von Macht positiv mit proaktivem Handeln und Risikofreudigkeit.

High-Power vs. Low-Power

In einem Pretest sollten zunächst diejenigen Songs identifiziert werden, die bei den Probanden jeweils das stärkste (High-Power-Songs) und das niedrigste (Low-Power-Songs) Dominanzempfinden hervorrufen würden. Dazu wurden den Studierenden insgesamt 31 Titel unterschiedlicher Genres – darunter zum Beispiel Heavy Metal, Punk, Reggae und Hip-Hop) vorgespielt, woraufhin diese beurteilen sollten, wie dominant und einflussreich sie sich während des Hörens fühlten, wobei sich folgende Rangfolge ergab:

High-Power-Songs

1. We Will Rock You (Queen)
2. Get Ready for This (2 Unlimited)
3. In Da Club (50 Cent)

Low-Power-Songs

1. Because We Can (Fatboy Slim)
2. Who Let the Dogs Out (Baha Men)
3. Big Poppa (Notorious B.I.G.)

Würfeln oder würfeln lassen?

Anschließend hatten die Teilnehmer dann eine Reihe von Aufgaben zu lösen, mit Hilfe derer das abstrakte Denken und die Handlungsbereitschaft erfasst wurden. Außerdem wurde mithilfe des sogenannten „Die-Rolling-Paradigmas“ die Wirksamkeitserwartung der Probanden getestet – hierbei interessiert, ob sich die Probanden jeweils dazu entscheiden, den Würfel eigenhändig zu rollen, oder diesen von einer anderen Person rollen zu lassen. Zeitgleich wurden immer entweder High-Power- oder Low-Power-Songs gespielt.

Selbst-Würfler hörten „High-Power“-Songs

Im Ergebnis zeigte sich ein signifikanter (und im Übrigen von Genre und Songlyrics unabhängiger) Zusammenhang zwischen dem Musiktitel und den Parametern abstraktes Denken, proaktives Handeln und auch der Risikofreudigkeit – die Probanden entschieden sich deutlich häufiger, den Würfel selbst zu rollen, wenn sie jeweils mit einem „High-Power“-Song beschallt worden waren.

Basslevel und Machtgefühl sind korreliert

Zuletzt zeigte sich dann der mächtige Effekt der Bässe: Für sämtliche Parameter scorten die Probanden höher, je höher der Basslevel eingestellt war. Das heißt, auch bei ein und demselben Song wuchs das subjektive Machtempfinden der Teilnehmer mit dem Basslevel an.

Die Forscher nehmen an, dass wir tiefer- oder höherfrequente Töne jeglicher Art und Quelle mit entsprechenden Machtlevels assoziieren. Nicht nur im Angesicht ihrer eigenen Forschungsdaten klingt diese Annahme naheliegend – Bei Stel et al. (2012) fühlten sich die Probanden mächtiger (und dachten abstrakter), wenn sie ihre eigene Stimme verdunkelten.

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Written by The Mainhattan Scientist





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